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TSR vs. HBW

Der Hellbezugswert drückt aus, welche Helligkeit eine Farbe für das menschliche Auge im Vergleich zu reinem Weiß (HBW 100) bzw. zu tiefem Schwarz (HBW 0) hat. Jedoch nimmt der Mensch ausschließlich elektromagnetische Strahlung in einem Wellenlängenbereich von 400 bis 700 Nanometer wahr. Für das Helligkeitsempfinden spielt daraus wiederum der Wellenlängenbereich zwischen 500 und 600 Nanometer die größte Rolle. Grünes Licht (550 nm) wird dabei stärker bewertet als etwa rotes (> 600 nm) oder blaues (< 500 nm). Völlig unberücksichtigt bleibt vom Hellbezugswert der Nah- Infrarotbereich (700 bis 2500 nm), der allerdings über die Hälfte der Sonnenstrahlungsenergie ausmacht. An der Fassade führt aber die gesamte Solarstrahlung, also die sichtbare sowie die infrarote, zur Aufheizung der Oberflächen. Der Hellbezugswert alleine hat demnach keine ausreichende Aussagekraft über das Aufheizverhalten. Vielmehr muss eine Beschichtung, die auf einen wärmegedämmten Untergrund aufgebracht werden soll, im Infrarotbereich ein hohes Reflexionsverhalten aufweisen. Erst dann ist die gesamte solare Reflexion (engl. „Total Solar Reflectance“ = TSR) ausreichend hoch. Der TSR-Wert gewinnt zunehmend an Bedeutung, weil er das gesamte elektromagnetische Wellenlängenspektrum der Solarstrahlung berücksichtigt. Seit kurzem werden spezielle Pigmente bzw. Farben mit infrarot-reflektierenden Eigenschaften angeboten, bisher jedoch verbunden mit einem eingeschränkten Farbtonangebot und langen Lieferzeiten. 

Aufgebracht werden sollten die infrarotreflektierenden Farben generell auf weiße Untergründe. Die Infrarotstrahlen durchdringen den Anstrich teilweise (was in der Medizin als heilende „Tiefenwirkung“ bekannt ist) und damit könnte sich der Effekt auf weniger stark reflektierenden Untergründen verschlechtern. Da einige Intensivfarbtöne auf Weiß nur schlecht decken, gibt es auch Putze mit TSR-Formel an. Wo ein besonders brillanter Farbton gewünscht ist oder ein neuer Anstrich auf einem intakten Altputz mit einem kritischen deckkraftschwachen Farbton erfolgen soll, bieten Systeme mit sogenannten "Cool pigments". Dank eines auf den Farbton der Endbeschichtung abgestimmten Erstanstrichs reichen zwei Beschichtungen mit der brillanten, schlecht deckenden Schlussbeschichtung aus. Damit die volle Wirkung der TSR-formulierten Farben erhalten bleibt, dürfen diese keinesfalls mit herkömmlichen Abtönfarben nachträglich verändert werden. Ebenso rät der Farbenhersteller von der Kombination konventionell und TSR-formuliert gestrichener Flächen ab. Aufgrund der unterschiedlichen Pigmentkombinationen ist eine leichte Abweichung des Farbtons mit TSR-Formel gegenüber dem Standardfarbton möglich. Daher sollten angrenzende Flächen identischen Farbtons, auch aufgrund einer möglichen Abweichung von Metamerie und Abwitterungsverhalten, durchgängig mit TSR-formulierten Materialien bearbeitet werden.

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